Mittwoch, 1. Januar 2014

Weltenträume

Wieder hat ein neues Jahr begonnen, und mit ihm kommen natürlich wieder ein persönlicher Rückblick auf das vergangene Jahr sowie gute Vorsätze für das neue. Nachdem ich mich jetzt bereits seit zwei Monaten darum gedrückt habe, diesen Blog auch tatsächlich zu eröffnen, sprich mit Inhalten zu füllen, die ich teilweise sogar schon fertig vorbereitet habe, will ich diese Sache nun endlich mal ins Rollen bringen. Auch der folgende Text liegt schon eine Weile unveröffentlicht auf dem Server. Den dämlichen Platzhaltertext, der hier die letzten Wochen über stand, kann ich aber auch wirklich nicht mehr sehen. Also dann, hiermit eröffne ich meinen Blog "Weltenträume".

Die Faszination für Welten jenseits der realen Wirklichkeit war wohl schon immer ein Teil der menschlichen Kultur. Viele Religionen kennen oder kannten andere Welten, seien es die neun Welten der nordischen Mythologie, um die sich der Weltenbaum Yggdrasil rankt oder die christlichen Jenseitswelten Himmel und Hölle. Heute kommt eine Vielzahl von fiktiven Welten hinzu, die als Schauplätze für unzählige Geschichten in allen denkbaren Medien dienen. Während die anderen Welten der Religionen in früheren Zeiten wohl vor allem als Ausdruck der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod oder des Glaubens an die Existenz von übernatürlichen Wesen wie Göttern oder Dämonen, die von anderen Welten aus Einfluss auf die Schicksale der Sterblichen nehmen, waren, dienen die Welten in der heutigen Fiktion vorwiegend der Unterhaltung, der Ablenkung von der Realität. Unabhängig davon, in welchem Medium und in welcher Form diese präsentiert werden, erlauben fiktive Welten dem Leser/Zuschauer/Spieler/usw. - zumindest gedanklich - Erfahrungen zu machen und Dinge zu erleben, die in unserer Welt schlichtweg unmöglich sind. Waren früher Sagen und Legenden meist auf dieser Welt angesiedelt, so finden fantastische Elemente wie Zauber oder Drachen keinen Platz mehr in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit, wo spätestens mit dem Aufstieg des Internets und Programmen wie Google Earth jeder selbst jeden noch so abgelegenen Winkel unserer eigenen Welt mit eigenen Augen begutachten kann. Dennoch ist die Faszination für fantastische Welten und Geschichten mit uralten, geradezu mythischen (man könnte auch sagen, archetypischen) Elementen heute nicht nur ungebrochen, sondern dürfte in den letzten Jahrzehnten sogar noch deutlich zugenommen haben.

So erlauben nicht nur aufwändige Computereffekte heute, in Filmen nahezu alles darzustellen, was man sich nur ausdenken kann, seien es die Tiefen des Weltalls oder die magischen Welten von Tolkiens „Herr der Ringe“. Insbesondere durch das immer noch recht junge Medium Computerspiele haben sich neue, interaktive Möglichkeiten geöffnet, fremde Welten zu erleben und dabei intensiver denn je Abenteuer zu erleben, die es in unserer Welt nicht geben könnte. Im Grunde genommen erschafft jedes Spiel zunächst eine Welt mit eigenen Regeln und Möglichkeiten, in der der Spieler sich zurechtfinden muss, mehr noch als es Filme in der Regel tun, die meist immerhin auf der Realität aufbauen. Bei allen Computereffekten und Modellaufnahmen sind die Landschaften in Peter Jackson’s „Herr der Ringe“-Filmen immer noch zumindest zu einem Teil aus dieser Realität abgefilmt, und auch viele andere Filme mit fantastischen Inhalten bauen letztlich auf real existierenden Schauplätzen auf, doch eine derart bizarre und fremdartige Welt wie die Insel Vvardenfell im Open-World-Rollenspiel „Morrowind“ lässt sich in dieser Form fast nur sinnvoll und glaubhaft im Computer darstellen. Spiele haben Filmen in der Regel voraus, dass sie ihre Welten im Grunde aus dem Nichts heraus erschaffen, und mit der heutigen Technik sind die Grenzen in der Gestaltung allenfalls finanzieller oder marktstrategischer Natur. Ausnahmen bilden natürlich Animations- oder Zeichentrickfilme (die jedoch meist noch stärker als Realfilme durch finanzielle Überlegungen in der Kreativität der Gestaltung eingeschränkt sind).

Ähnlich verhält es sich selbstverständlich mit Büchern. Hier hat der Autor sogar bei Weitem die größten Freiheiten, denn während die Welt eines Computerspiels zunächst noch aufwändig in grafischer Form ausgearbeitet werden müssen, kann ein Romanautor mit wenigen Sätzen ganze Städte vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen lassen, der infolge dessen selbst zum Schöpfer seiner eigenen Gedankenwelten wird. So wohnt dem Lesen selbst noch ein kreativer Prozess zugrunde, und letztendlich kann kein Film oder Spiel diese Welten in der Form darstellen, die sich im Bewusstsein des Lesers entfaltet.

Kreative Prozesse der Weltenschöpfung, auch bekannt als „Weltenbasteln“ sollen ebenso im Fokus dieser Seiten stehen wie die Welten selbst, sowohl bekannte Welten aus den verschiedenen Medien als auch meine eigenen Entwürfe und Gedanken. Dabei soll es auch, aber bei weitem nicht nur um meine Arbeiten im Zusammenhang mit der von mir selbst erfundenen Welt Thaera gehen, die ich bereits in Teilen in vereinzelten Beiträgen im kreativ-genialen Weltenbastlerforum vorgestellt habe. Jedoch wird dies keine Weltenseite im eigentlichen Sinne sein, auf der nach und nach die einzelnen Aspekte dieser Welt vorgestellt werden, wie sie ebenso zahlreich wie großartig im Weltenbastler-Webring vertreten sind. Vielmehr schwebt mir einerseits eine Sammlung meiner Ideen Gedanken zu verschiedensten Themen und Aspekten vor, die sich durchaus auch auf unsere eigene Welt beziehen können, und andererseits eine Plattform, auf der ich meine verschiedensten Arbeiten, insbesondere im Bereich 3D-Grafik, präsentieren kann. Sozusagen ein Bahnhof für Überlegungen und Kreatives aller Art, ein Ort, wo ich meine Gedanken wenn nicht in Ordnung, dann wenigstens in schriftliche oder grafische Form bringen kann, ohne dass alles über zahlreiche Seiten verteilt mal hier und mal dort auftaucht und am Ende verliert sich alles mit den endlosen Weiten des Datenmeeres. Es ist ein Experiment, und es wird sich zeigen, wie erfolgreich es wird.

P.S.: Ein Umlaut im Seitentitel? Suboptimal, ich weiß... aber das passt schon. Außerdem harmoniert die Adresse wunderbar mit dem "ae" in Thaera, dem Namen meiner Fantasywelt. Wann lernen Browser eigentlich, Umlaute automatisch umzuwandeln? Wem's nicht gefällt, der kann ja über dreamsofthaera.blogspot.com und den dortigen Link hierher gelangen. Da ist dann allerdings auch ein "ae" drin...

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